„Man muss nicht verrückt sein, um hier her zu kommen“ – Zu Besuch bei KommRum

„Man muss nicht verrückt sein, um hierher zu kommen“, sagt Frau Pahl aus der Beratungsstelle von KommRum und verweist auf den leckeren Kuchen auf dem Tisch. KommRum in Friedenau ist eine offene Einrichtung mit Cafe-Betrieb und Beratungsstelle. Den Kuchen haben die sogenannten „Zuverdienstler*innen“ für unseren gemeinsamen Termin gebacken. Neben dem Cafe und der Beratungsstelle ist KommRum auch Träger von betreutem Wohnen und Apartment-Wohnen mit mehr als 100 Plätzen für Menschen mit psychischen Krankheiten. Auch bei KommRum stellt sich die Frage der Mietverdrängung für die Menschen im betreuten Wohnraum.

Keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Menschen mit psychischen Erkrankungen
Während wir reden füllt sich das helle Cafe in der Schnackenburgerstraße 4. Immer mehr Menschen kommen und stellen uns Fragen und wollen mitdiskutieren. Ein Herr weist darauf hin, dass selbst Bundesminister Bahr eine Liste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt hat, die besagt, dass fünf der zehn häufigsten Krankheiten aus dem Bereich der Psychiatrie kämen. Gleichzeitig fehle es aber an Möglichkeiten für psychische kranke Menschen am Leben und Arbeiten gleichwertig zu partizipieren. Eine Frau bestätigt dies. Sie spricht von „Null Chancen“ auf dem Arbeitsmarkt, als psychisch erkrankter Mensch. Entweder man lügt bezüglich Lücken im Lebenslauf oder man wird nicht eingestellt, beschreibt sie. Menschen, die gern arbeiten möchten, aber keine Vollzeit- oder Teilzeit-Arbeitsverhältnisse auf Grund ihrer seelischen Verfassung annehmen können, fallen durch das Raster. Sie können zwar als sogenannte „Zuverdienstler*innen“ im Cafe arbeiten, wünschen sich aber oft mehr. Ein deutlich durchlässigeres System mit integrativen Arbeitsplätzen – auch mal für fünf oder zehn Wochenstunden. Die Hoffnung bestand das System der Bürgerarbeit dahingehend weiterzuentwickeln. Mittlerweile ist die Bürgerarbeit als Modell des Dritten Arbeitsmarktes durch die Bundesregierung gestrichen worden. Die Konsequenz wird uns sehr drastisch beschrieben: Immer mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen werden früh verrenten und leiden darunter nicht zum produktiven Teil Gesellschaft zu gehören.

Sommertour „gesund, sozial, queer“
Der Besuch von KommRum in Friedenau fand am 20. August 2013 statt und ist Teil der SPD Sommertour „gesund- sozial- queer“, die organisiert wurde durch die SPD-Fraktion Tempelhof- Schöneberg. Ziel ist es mehr Aufmerksamkeit auf Gesundheits- , Sozial- und Queerprojekte zu lenken. Gerade diese Projekte spielen in der öffentlichen Wahrnehmung und gesellschaftlichen Anerkennungskultur häufig eine Nebenrolle. Dabei sind sie vielfach die Garanten für eine selbstbestimmte und selbständige Lebensführung, für Teilhabe und Partizipation. An diesem Termin nahmen teil Mechthild Rawert (MdB), Marijke Höppner (MdBVV) und Dr. Jörg Tänzer (Bürgerdeputierter im Sozialausschuss).