„Pflege muss sich mehr am Menschen orientieren“ – Zu Besuch in der Tagespflege des Nachbarschaftsheim Schöneberg

„Pflege muss sich mehr am Menschen orientieren“, beginnt der Geschäftsführer des Nachbarschaftsheim Schöneberg, Georg Zinner während wir im Gemeinschaftsraum der Tagespflege des NBHS in der Cheruskerstraße sitzen. Statt komplizierter Anmeldeverfahren sollten die Menschen je nach Bedarf täglich vorbeikommen können wie in einem offenen Haus – egal, ob mit Pflegestufe oder ohne. Die Abrechnungsverfahren müssten dafür deutlich vereinfacht werden. Doch das ist noch Wunschvorstellung. Während wir im Gruppenraum über die Tagespflege sprechen, findet nebenan schon das Tagesprogramm statt: Die Zeitungsrunde hat begonnen und es werden die aktuellen Schlagzeilen diskutiert.

In einer Wohngemeinschaft gemeinsam altern
Im gleichen Haus befinden sich zwei Wohngemeinschaften für Menschen im Alter. Unter dem Dach leben fünf Menschen mit Pflegebedarf. Frau Dacht (Name geändert) wohnt schon eine Weile in der WG. Sie erzählt uns, dass es ihr sehr gut gefällt, nur der Personalwechsel, wenn eine Mitarbeiterin in Urlaub oder krank ist, gefalle ihr nicht. Auch Imke Hoefer (Mitarbeiterin der Tagespflege) und Karen Gebert (Mitarbeiterin Wohngemeinschaften) bestätigen, dass es sehr schwer ist qualifiziertes Fachpersonal zu finden. In der Demenzwohngemeinschaft leben neun Menschen. Alle haben ihr eigenes Zimmer. Wohnzimmer, Küche und Bäder werden gemeinsam genutzt. Auch hier wird es politisch. Kritisch wird der unterschiedliche Umgang mit dem Wohngruppenzuschlag in den Berliner Sozialämtern diskutiert. Vorgesehen ist der Wohngruppenzuschlag von 200 EUR für zusätzliche Leistungen für Menschen, die ihn Wohngruppen gepflegt werden. Der Berliner Senat verlangt den Wohngruppenzuschlag der Hilfe zur Pflege anrechnen zu lassen. Einige verlangen sogar, dass der Wohngruppenzuschlag beantragt wird, damit er von der Hilfe zur Pflege abgezogen werden kann. Die tatsächliche Praxis im Bundesgebiet sieht anders aus. Hier bedarf es dringender rechtlicher Klärung. Völlig ungeklärt ist, wie die Bewohnerinnen und Bewohner von Wohngruppen einen Nutzen aus der für sie bestimmten zusätzlichen Leistung ziehen können.
NBHS

Sommertour „gesund, sozial, queer“
Der Besuch der Einrichtungen des Nachbarschaftsheim Schöneberg in der Cheruskerstraße fand am 20. August 2013 statt und ist Teil der SPD Sommertour „gesund- sozial- queer“, die organisiert wurde durch die SPD-Fraktion Tempelhof- Schöneberg. Ziel ist es mehr Aufmerksamkeit auf Gesundheits- , Sozial- und Queerprojekte zu lenken. Gerade diese Projekte spielen in der öffentlichen Wahrnehmung und gesellschaftlichen Anerkennungskultur häufig eine Nebenrolle. Dabei sind sie vielfach die Garanten für eine selbstbestimmte und selbständige Lebensführung, für Teilhabe und Partizipation. An diesem Termin nahmen Mechthild Rawert (MdB), Jan Rauchfuß (Vorsitzender der SPD Fraktion Tempelhof-Schöneberg), Hermann Zeller (Sprecher für Sozialpolitik in der SPD Fraktion Tempelhof- Schöneberg), Janis Hantke (Sprecherin für Gesundheitspolitik der SPD Fraktion Tempelhof- Schöneberg), Marijke Höppner (MdBVV) und Dr. Jörg Tänzer (Bürgerdeputierter im Sozialausschuss) teil.