Leben Lernen – Mädchen und jungen Frauen eine Perspektive bieten

„Es gibt keinen Einheitsbrei, jede bekommt das Gericht zu essen, was sie braucht.“, sagt Valerie Lenk, Vorsitzende Leben Lernen e.V., und meint es im übertragenen Sinne. Bei Leben Lernen wird seit 1978 Mädchenarbeit betrieben: betreutes Wohnen für Mädchen, junge Frauen und junge (werdende) Mütter. Entstanden aus der Heimarbeit, war den Gründerinnen von Leben Lernen e.V. klar, dass ein Angebot für Frauen und junge Mädchen notwendig wurde. Mädchen und Frauen brauchen eine passgenaue Ansprache, um sich sicher zu fühlen und entwickeln zu können.
Leben Lernen
Das betreute Mädchenwohnen findet in der Wohngemeinschaft oder allein statt. Die Mädchen können zu Hause nicht mehr leben, sind aber noch nicht so weit auf eigenen Beinen zu stehen. Viele Mädchen und junge Frauen bringen ernste Sorgen mit wie Essstörungen, Gewalt, Drogen und Selbstverletzungen. Ein Mädchen bzw. eine junge Frau wird von einer Sozialpädagogin begleitet. „Geht ein Mädchen in die Schule oder macht ihren Abschluss nach, dann wird sie zu Hause mit einer Tasse Tee willkommen. Es wird gefragt wie der Tag war und was nötig ist, damit es ihr gut geht“, beschreibt eine Mitarbeiterin von Leben Lernen und verdeutlicht damit wie wichtig die eins-zu-eins-Beziehung ist, denn viele Mädchen haben die Erfahrung, dass sich jemand für sie Zeit nimmt, zu Hause nicht gemacht. Kein Mädchen ist wie das andere, so wird ein passgenaues Angebot entwickelt, eben kein Einheitsbrei.
Das Mutter-Kind-Wohnen nimmt junge Frauen ab 16 Jahren und ab dem 6. Monat der Schwangerschaft auf. Auch Mütter mit Kind werden aufgenommen. Auch dieses Projekt leistete Pionierarbeit zur Gründung 1981. Junge Frauen kommen mit belasteten Biografien in die Einrichtung. In vielen Fällen ist das betreute Wohnen eine Auflage des Jugendamtes, um den Kinderschutz zu gewährleisten, wenn der Übergang von einer Pflegefamilie zurück zur leiblichen Mutter erfolgen soll. Andere Frauen haben Suchtprobleme oder fühlen sich mit der Aufgabe allein gelassen ein Kind zu erziehen. Auch gibt es eine eins-zu-eins-Betreuung für die jungen Frauen, aber auch Hilfe und Austausch in der Gruppe wird angeboten. Die Mutter lernt ihre Erwartungen, die aus schwerwiegenden Sorgen und Ängsten entstanden sind, nicht auf das Kind zu projezieren. Eine Methode, der Mutter zu zeigen, was sie mit dem Kind erreicht hat, ist die Methode des „Guten Bildes“. Die Frau wird mit dem Kind gefilmt. Anders als bei der Supernanny im Privatfernsehen, werden der Mutter, aber nicht die negativen Bilder gezeigt, sondern ein „gutes Bild“ bei dem Mutter und Kind Freude ausstrahlen beim Spielen oder Wickeln. Diese Bilder hinterlassen bei der Mutter häufig einen tiefen Eindruck und sie kann sich in schwierigen Situationen an diese positiven Bilder zurück erinnern. Nicht nur die Bilder helfen den Frauen in der Zukunft. Den Mitarbeiterinnen bei Leben Lernen ist es wichtig, dass Mädchen sich entwickeln in der Zeit in der sie die Unterstützung erhalten. So machen viele eine Ausbildung oder wiederholen ihren Abschluss. Verlassen die Frauen das betreute Wohnen, so ist es Leben Lernen wichtig, ihnen einen gemeinsamen Plan mitzugeben.
Neben dem Betreuten Wohnen, bietet Leben Lernen e.V. auch eine Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen in Tempelhof-Schöneberg. Themen wie Sexualität, Differenzen mit den Eltern, Schuldruck, Drogen und vieles mehr werden in der Beratung angesprochen. Die Beratung dauert meist eine Stunde. Der Bedarf ist groß. Leben lernen hält 735 Beratungsstunden im Jahr. Weitere 385 Stunden leistet leben lernen an der 7. ISS (Integrierte Sekundarstufe). Dabei stellen Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren die größte Beratungsgruppe dar. Die meistens Aufsuchenden stammen aus Tempelhof, gefolgt von Schöneberg Nord/Süd und Lichtenrade. Mit der Beratungsstelle vervollständigt Leben Lernen ihre Angebotspalette und leistet einen Bestandteil zur Prävention. Die Spezialisierung auf die Beratung von Mädchen ist im Bezirk einzigartig.
Der Besuch bei Leben Lernen e.V. am 17. August war Teil der Frauensommertour von Marijke Höppner, Sprecherin für Frauenpolitik. Begleitet wurde Höppner von Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin.