Archiv für Mai 2012

Ein Balanceakt: Alleinerziehend Arbeit und Familie vereinen – Ein Besuch bei Alfa Netpoint in Friedenau

Am 7. Juni zwischen 14 und 18 Uhr werden in der Friedenauer Lauterstraße Näharbeiten und Goldschmiedeschmuck angeboten und verkauft. Die Besonderheit: Die Produkte stammen aus den Lehrwerkstätten des Ausbildungs- und Kulturzentrums (kurz: AKC) in der Lauterstraße.
Das Projekt bildet seit 1988 in Friedenau aus. Ziel ist es Jugendliche in Berlin besonders junge Frauen aus belasteten Lebenssituationen aufzufangen und durch eine Ausbildung Perspektive zu bieten. Die Ausbildungen als Maßschneiderin und Goldschmiedin werden in einem geschützten Rahmen angeboten, so dass die jungen Frauen ihre individuellen Fähigkeiten entfalten und erweitern können. Der ganzheitliche Ansatz des Vereins unterstützt eine selbstbewusste und eigenverantwortliche Lebensführung.
Alfa Netpoint Logo
Ein Schwerpunkt setzt der AKC in der Beratung und im Coaching für Alleinerziehende. Das dazugehörige Projekt Alfa Netpoint besuchten Angelika Schöttler, Bürgermeisterin Tempelhof-Schönebergs, und Marijke Höppner, Sprecherin für Frauenpolitik, am 11. Mai 2012. Alfa Netpoint entstand im Rahmen des Bundesprogramms „Gute Arbeit für Alleinerziehende“. Den ganzheitlichen Ansatz des AKC aufgreifend, geht es um Unterstützung, Beratungs- und Qualifizierungsangebote für Alleinerziehende. Es werden gemeinsam Wege gefunden Beruf und Betreuungsmöglichkeit zu vereinen und finanzielle Regelungen dafür zu finden. Da eine umfassende Beratung, eine entsprechende Begleitung benötigt, wird sich vor Ort Zeit genommen. Die Beraterinnen und Berater begleiten die jungen Frauen über mehrere Monate hinweg und unterstützen sie bei vielen kleinen und großen Lebensschritten, so dass ein hoher Nachhaltigkeitseffekt erzielt wird. Die Vermittlung in Arbeit, Ausbildung oder das Nachholen eines Schulabschlusses sind dabei sehr wichtig. Einige Frauen beteiligen sich aber auch an Praktika, Sprach- oder Integrationskursen auf dem Weg zu ihrem Traumjob. „Wichtig ist es die Wünsche der Besucherinnen im Auge zu behalten, um sich dann Schritt für Schritt ihrem Ziel zu nähern“, so der Berater Martin Kositza.
AKC arbeit Wer sich ein Bild der Arbeit des Ausbildungs- und Kulturzentrums machen möchte, kann am 7. Juni zwischen 14 und 18 Uhr in der Lauterstraße (nähe Breslauer Platz) das Projekt unterstützen und während des Sommerverkaufstages Produkte aus der Schneider- und Goldschmiedewerkstatt kaufen.

Besuch bei gleich und gleich e.V.

Gleich und gleich e.V. bietet betreutes Wohnen für Jugendliche an. Bundesweit nimmt der Verein eine besondere Rolle dabei ein, denn die Ansprache bezieht die Interessen von lesbischen, schwulen und trans* Jugendliche ein und nimmt so Rücksicht auf die spezifischen Erlebnisse und Bedürfnisse.
Um mehr über den Verein und dessen Arbeit zu erfahren, besuchte Marijke Höppner, frauenpolitische Sprecherin, am 10. Mai 2012 gleich und gleich e.V. Begleitet wurde Höppner von Angelika Schöttler (Bezirksbürgermeisterin), Manuela Harling (Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Tempelhof-Schöneberg) und Petra Nowacki (Vorsitzende der Schwusos – Lesben und Schwulen in der SPD Tempelhof-Schöneberg) sowie Friederike Nitzsche (Beisitzerin im Vorstand der Schwusos).
Die zielgruppenspezifische Ansprache gibt es deutschlandweit selten. Andere Bundesländer wie Bayern empfehlen Jugendliche nach Berlin in das betreute Einzel- oder Wohngemeinschaftswohnen. Eine Ansprache auf die Bedürfnisse von lesbisch, schwulen und trans* Jugendlichen ist nicht unbedingt üblich im Bereich des betreuten Wohnens.
Stefan Pröpper (Geschäftsführer) und die beiden Sozialpädagoginnen Ingrid Bergter und Katja Imholz berichteten darüber wie die Jugendlichen im Alltag gestärkt werden, um ihr Leben selbstständig zu meistern. Die Jugendlichen wenden sich zum Erfahrungsaustausch an die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, die selber lesbisch, schwul oder trans* sind. Der Umgang mit öffentlichen Diskriminierungserfahrungen durch Nachbarn und Mitmenschen wird häufig zum Thema. Liebe, Partnerschaft, Hausarbeiten und Arbeitsplatzsuche sind genauso wichtig, um in ein selbstbestimmtes Leben geleitet zu werden.
Gleich und gleich befindet sich in der Kulmerstraße 16 in Berlin Schöneberg.
gleich und gleich e.V.
Hintere Reise: Frau Bergter, Frau Imholz, Herr Pröpper
Vordere Reihe: Ursula Hasecke (Frauenbeauftragte), Angelika Schöttler, Petra Nowacki, Mannuela Harling, Frederike Nitzsche, Marijke Höppner

Presseerklärung: SPD fordert Aufklärung über häusliche Gewalt im Wartezimmer des Bürgeramtes

Auf Forderung der SPD- Fraktion beschloss die Bezirksverordnetenversammlung in Tempelhof- Schöneberg in der Plenarsitzung vom 25. April 2012 die Aufklärung über häusliche Gewalt im Wartezimmer- TV der Bürgerämter. Kontaktinformationen von Beratungseinrichtungen sollen nun durch Werbe- und Informationsfernsehen in den drei Bürgerämtern in Schöneberg, Tempelhof und Lichtenrade gezeigt werden.

Die Auswirkungen von häuslicher Gewalt sind weiterhin gravierend. Die Repräsentativstudie von 2004 zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ (Schröttle et al.) kommt zu dem Ergebnis, dass jede vierte Frau (25%) körperliche und/oder sexuelle Gewalt in mindestens einem Fall durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt hat. Jeweils ein Drittel der Frauen machte Erfahrungen von langanhaltender Gewalt bzw. folgenschwerer Gewalt. 40% der befragten Frauen befinden sich über einen längeren Zeitraum als ein Jahr in einer Gewaltbeziehung, 17 % mehr als 5 Jahre.

Laut der Betreiberfirma Mediaspot werden 70.000 bis 120.000 Menschen pro Jahr in den Warteräumen der Bezirksämter erreicht, etwa die Hälfte sind Frauen. „Viele gewaltbetroffene Frauen wissen nicht, an wen sie sich wenden können. In einigen Fällen beschränken ihre Partner die Kontakte in die Außenwelt“, so Marijke Höppner, Frauen- politische Sprecherin der SPD Fraktion, und fährt fort: „Die Chancen, dass eine gewaltbetroffene Frau den Spot bei einer alltäglichen Aktivität wie der Beantragung eines neuen Personalausweises sieht, ist groß.“
Die Ausstrahlung eines Warte- TV- Spots stellt somit ein niederschwelliges Informationsformat für viele Frauen dar, um über Hilfsangebote informiert zu werden. Es erhöht zudem die Möglichkeiten, an die entsprechenden Informationen zu gelangen.

Antrag: Beteiligung am internationalen Hurentag

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Die BVV ersucht das Bezirksamt, sich durch eine Kooperation mit der Fachgruppe Kurfürstenstraßenkiez und der AG Gesunder Kunde an den Aktivitäten zum internationalen Hurentag zu beteiligen. Diese Beteiligung soll erstmals am 02.06.2013 satt finden.
Ziel ist es, die Mitmenschen im Kurfürstenstraßenkiez und die Freier auf ein respektvolles und menschenwürdiges Miteinander hinzuweisen.

Begründung:
Immer wieder kommt es zu Beschimpfungen und gewalttätigen Übergriffen wie Flaschenwür-fen oder Handgreiflichkeiten von Anwohnenden gegenüber Sexarbeiter*innen. Tatsächlich soll es sogar zu Kellerraumvermietungen als Wohnraum zu hohen Summen an mehrere Prostituierte gekommen sein. Freier gehen häufig fahrlässig mit der Gesundheit von Frauen, Männern und Trans* um und zwingen sie zum Verzicht auf Kondome. Der internationale Hu-rentag bietet uns im Bezirk die Chance auf einen menschwürdigen Umgang mit den Sexar-beiter*innen hinzuweisen.
Zur Geschichte des internationalen Hurentag: Am 2. Juni 1975 besetzten über 100 Prostitu-ierte die Kirche Saint-Nizier in Lyon/Frankreich, um auf die katastrophale Situation von Frau-en, die anschaffen gehen, hinzuweisen. Die Zahl der Prostituierten, die sich dem Streik an-schlossen, nahm in den nächsten Tagen weiter zu. Die Bevölkerung und auch die Kirchenlei-tung äußerten sich positiv und unterstützten die Frauen. Der Streik der Prostituierten weitete sich auch auf andere Städte wie Marseille, Grenoble und Paris aus. Forderungen gingen bis an die höchsten staatlichen Stellen, die jedoch nicht bereit waren, für menschenwürdige Le-bens- und Arbeitsbedingungen zu sorgen. Die nationale und internationale Presse berichtete über den Streik. Hier wurden zum ersten Mal Prostituierte – ohne die herkömmlichen Kli-schees – für Menschen sichtbar. Sie sind berufstätige Frauen, die um ihre Menschenwürde kämpfen. Am 10. Juni ’75 wurde die Kirche um 5 Uhr morgens brutal durch die Polizei ge-räumt. Zur Erinnerung daran haben Sexarbeiter/innen und deren Organisationen den 2. Juni zum Internationalen Hurentag erklärt. Quelle: http://www.hydra-berlin.de
Berlin, den 07.05.2012

Der Verlauf des Antrages ist hier zur verfolgen.

In die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht am 16.05.2012

Antrag: Frauen haben Vorrang – reloaded

Die Bezirksverordnetenversammlung bestätigt ihren Beschluss vom 16.2.2005 Drs. 1088/XVII Frauen haben Vorrang und ersucht das Bezirksamt bei Neubenennungen von öffentlichen Straßen , Plätzen, Grünanlagen und bezirklichen Einrichtungen die Namen von Frauen so lange vorrangig zum Zuge kommen zu lassen, bis eine im bezirklichen Gesamtbild angemessene Vertretung beider Geschlechter in der Benennung von Straßen, Plätzen, Grünanlagen und öffentlichen Einrichtungen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg erreicht ist.

Beteiligungsverfahren von Bürgerinnen und Bürger sowie den vor Ort angebundenen Akteuren sind anzustreben.

Ein thematischer Bezug bzw. ein Bezug zum Bezirk Temelhof-Schöneberg sind wünschenswert.

Dieser Antrag wurde am 10.05.2012 im Ausschuss für Frauen und Queer beschlossen. Der Antrag wird am 16.05.2012 in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht. Den weiteren Verlauf des Antrages finden Sie hier.