Antrag: Warte-TV zur Aufklärung über häusliche Gewalt nutzen

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Die BVV ersucht das Bezirksamt zu prüfen, ob anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen im Warte-TV der bezirklichen Einrichtungen ein Spot gezeigt werden kann, der Frauen über häusliche Gewalt und mögliche Anlaufstellen informiert. Eine Kooperation mit einem lokal angesiedelten Anti-Gewalt-Projekt wie Frauenzimmer e.V. soll angestrebt werden.
Das Bezirksamt wird ersucht zu prüfen, ob Kosten entstehen und ob diese ggf. durch Sponsoring abgedeckt werden können.

Begründung:
In Tempelhof-Schöneberg gibt es vier Anlaufstellen mit Warte-TV in den Wartezimmern bezirklicher Einrichtungen wie dem Bürgeramt.
Die Reichweite liegt momentan berlinweit mit 45 TV-Geräten in 29 Ämtern bei etwa 360.000 intensiven Besucherkontakten pro Monat. Je nach Größe und Einzugsgebiet rechnet Central Media Spots allgemein mit 70.000 bis 120.000 Besuchern pro Jahr in Bürgeramt für die Standorte Rathaus Schöneberg, Rathaus Tempelhof und Lichtenrade.
Durch die Kombination von Werbung und tagesaktuellen Nachrichten, Bürgerinformationen, Sehenswürdigkeiten im Stadtbezirk, Quizfragen, Tiervermittlung, Kulturinfos u.a. genießt das Wartefernsehen eine sehr hohe Akzeptanz bei den Besucher*innen und ist gleichzeitig ein informativer und angenehmer Bürgerservice. (Informationen von Central Media Spots)

Durch das Warte-Fernsehen, könnten verhältnismäßig viele Menschen niedrigschwellig erreicht werden.

Die Repräsentativstudie von 2004 zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ (Schröttle et al.) kommt zu dem Ergebnis, dass jede vierte Frau (25%) körperliche und/oder sexuelle Gewalt in mindestens einem Fall durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt hat. Knapp ein Drittel der befragten Frauen berichtete über eine einzige Gewalterfahrung, ein Drittel über 2-10 Situationen und ebenfalls ein Drittel über häufige und langanhaltende Gewalt. Zwei Drittel der Frauen erlebten mittlere bis schwere Formen der Gewalt mit Verletzungsfolgen und Angst vor ernsthaften und lebensgefährlichen Verletzungen. Bei 40% der gewaltbetroffenen Frauen dauerte die Gewaltbeziehung länger als ein Jahr, bei 17%, mehr als 5 Jahre. Jede siebte Frau berichtete über Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder Nötigung zu sexuellen Handlungen.
Erhöhte Risiken für den Beginn häuslicher Gewalt bestehen in bestimmten Lebens- und Umbruchphasen wie Heirat (38%), Zusammenziehen (34%), Geburt des Kindes (20%) und Schwangerschaft (10%). Misshandlungen sind intensiver und häufiger, wenn Frauen schwanger sind oder kleine Kinder haben, nicht zu vergessen, dass ungewollte Schwangerschaften auch eine Gewaltfolge sein können.
50% der gewaltbetroffenen Frauen hatten bereits als Kind direkt Gewalt erlebt oder waren Zeuginnen von Häuslicher Gewalt. Misshandlung in der Kindheit und Jugendzeit ist somit einer der größten Risikofaktoren, im Erwachsenenleben Partnergewalt zu erleben oder auszuüben und hat langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit und das Gesundheitshandeln als Erwachsene.
Studien belegen, dass es auch ein hohes Risiko für die Misshandlung von Kindern bei Gewalt in der Partnerschaft gibt, d.h. eine Gleichzeitigkeit von häuslicher Gewalt und Gewalt gegen Kinder verbreitet ist. (Quelle: http://www.frauenzimmer-ev.de/index.php?n=n301#weiterlesen)

Das Warte-TV bietet die Möglichkeit viele Frauen zu erreichen, und sie über die Kontaktstellen und Hilfemöglichkeiten bei häuslicher Gewalt zu informieren.

Den Verlauf dieses Antrages finden Sie hier.

Eingebracht in die BVV am 25.04.2012.