Archiv für April 2012

Frauennamenspool: Diese Frauen sollen auf Straßenschildern geehrt werden!

Wir wol­len Frau­en im Be­zirk sicht­bar ma­chen!

Die tra­di­tio­nel­le Ge­schichts­schrei­bung hatte Frau­en lange über­se­hen. Dies zeigt sich auch in der Be­nen­nung von Stra­ßen. In Tem­pel­hof-Schö­ne­berg fin­den sich kaum Frau­en auf Stra­ßen­schil­dern wie­der. Dabei sind weib­li­che Ga­li­ons­fi­gu­ren als Vor­bil­der für eine gleich­be­rech­tig­te Ge­sell­schaft sehr wich­tig. Mit einer Liste oder einem Na­men­spool mit Frau­en­na­men für Stra­ßen­be­nen­nun­gen, ver­bin­den wir den Wunsch, dem weib­li­chen Blick auf die Welt Aus­druck zu ver­lei­hen und die Viel­falt weib­li­chen Schaf­fens und Den­kens sicht­bar zu ma­chen. (Quel­le: Drs. 0209/XIX)

Für den An­trag Drs. 0209/XIX Frau­en im Be­zirk sicht­bar ma­chen re­cher­chier­te die ASF Tem­pel­hof- Schö­ne­berg für die SPD Fraktion Tempelhof- Schöneberg die Bio­gra­fi­en vie­ler tol­ler Frau­en, die wir für eh­rens­wert hal­ten:

Pina Bausch
Pina (Phil­ip­pi­na) Bausch (27.​07.​1940 in So­lin­gen – 30.​06.​2009 in Wup­per­tal) war eine deut­sche Tän­ze­rin, Cho­reo­gra­fin, Tanz­päd­ago­gin und Bal­lett­di­rek­to­rin. Nach Ihr wurde das Tanz­thea­ter Pina Bausch in Wup­per­tal be­nannt, das Welt­ruhm er­lang­te. Pina Bausch, seit den 1970er- ​Jah­ren als Kul­tur­fi­gur der in­ter­na­tio­na­len Tanzs­ce­ne ge­fei­ert, gilt heute als eine der be­deu­tens­ten Cho­reo­gra­fen/innen der Ge­gen­wart. Ihren Stil präg­ten die Ver­stri­ckung von Tanz mit an­de­ren Gen­res der dar­stel­len­den Kunst wie Ge­sang aber auch Me­di­en­per­for­mance. Das Tanz­thea­ter Pina Bausch be­fin­det sich in der Part­ner­stadt Tem­pel­hof- ​Schö­ne­bergs Wup­per­tal.
Quel­len: http://​www.​pina- ​bausch.​de/​, http://​www.​pina- film.​de/​de/​pina- bausch.​html

Mar­ga­re­te Be­rent
Mar­ga­re­te Be­rent (9.​7.​1887 Ber­lin – 23.​6.​1965 New York) war 1919 die erste Frau mit einem ju­ris­ti­schen Staats­ex­amen in Preu­ßen und wurde zur Spe­zia­lis­tin für Ehe- und Fa­mi­li­en­recht. Sie pro­mo­vier­te 1914 „Über die Zu­ge­winn­ge­mein­schaft der Ehe­gat­ten“. Be­rent war Mit­be­grün­de­rin di­ver­ser Frau­en­ver­ei­ne dar­un­ter des Ju­ris­tin­ne­bun­des und des Aka­de­mi­ke­rin­nen­ver­eins sowie Vor­stands­mit­glied des Jü­di­schen Frau­en­bun­des. Ihre Pra­xis be­fand sich in der Goltz­str. 34. 1933 wurde Be­rent aus der Rechts­an­walts­pra­xis aus­ge­schlos­sen. 1939 emi­grier­te sie über Chile in die USA.
Quel­len: Jü­di­sche Frau­en im 19. und 20. Jahr­hun­ter. Le­xi­kon zu Leben und Werk, hrsg. Jutta dick, Ma­ri­na Sas­sen­berg, Rein­bek 1993.

Ger­trud Hanna
Ger­trud Hanna (22.​6.​1876- 26.​1.​1944 Ber­lin) war von 1909 bis 1933 Lei­te­rin des Ar­bei­te­rin­nen­se­kre­ta­ri­ats beim ADGB und Mit­glied des preu­ßi­schen Land­tags 1919 bis 1933 für die SPD. Sie setz­te sich für die An­er­ken­nung weib­li­cher Mit­glie­der in der Ge­werk­schaft ein und en­ga­gier­te sich in der SPD für die Frau­en­po­li­tik. Zer­mürbt von der Na­zi- ​Ver­fol­gung be­gang Hanna ge­mein­sam mit Ihrer Schwes­ter den Selbst­mord. Han­nah lebte vor 1918 in Neu- ​Tem­pel­hof.

Jenny Hirsch
Jenny Hirsch (25.​11.​1829 Zerbst – 10.​3.​1902 Ber­lin) war Frau­en- ​ und So­zi­al­ar­bei­te­rin, Schrift­stel­le­rin und Über­set­ze­rin. Sie war Mit­be­grün­de­rin des All­ge­mei­nen Deut­schen Frau­en Ver­eins (ADF) und des in Schö­ne­berg an­säs­si­gen Let­te- ​Ver­eins, in dem sie zeit­wei­lig Schrift­füh­re­rin war. Als Mit­ar­bei­te­rin zahl­rei­cher Frau­en­zeit­schrif­ten gab sie unter an­de­rem „Frau­en- ​An­walt. Organ des Ver­ban­des der Frau­en­bil­dungs- ​ und Er­werbs­ver­ei­ne“ her­aus.

Clara Im­mer­wahr, verh. Haber
Clara Im­mer­wahr (21.​6.​1870 – 2.​5.​1915) war die jüngs­te Toch­ter des Che­mi­kers Phil­lip Im­mer­wahr und sei­ner Ehe­frau Anna Krohn, einer gut­bür­ger­li­chen Fa­mi­lie in Bres­lau. Nach einer Leh­re­rin­nen­aus­bil­dung stu­dier­te Clara Che­mie. Als erste Frau an der Uni­ver­si­tät Bres­lau pro­mo­vier­te sie 1900 in phy­si­ka­li­scher Che­mie. Ihren Ab­schluß mach­te sie „Summa cum Laude“. 1901 hei­ra­te­te sie den Che­mi­ker Fritz Haber. Sie hoff­te auch als Ehe­frau wei­ter in der For­schung ar­bei­ten zu kön­nen, diese Hoff­nung er­füll­te sich nicht. Wäh­rend Fritz eine stei­le Kar­rie­re mach­te und schließ­lich zum Di­rek­tor des In­sti­tuts für Phy­si­ka­li­sche Che­mie und Elek­tro­che­mie der Kai­ser- ​Wil­helm- ​Ge­sell­schaft be­ru­fen wurde, muss­te Clara die un­dank­ba­re Rolle der re­prä­sen­tie­ren­den, um­sor­gen­den und al­len­falls zu­ar­bei­ten­den Pro­fes­so­ren­gat­tin über­neh­men. In der Ehe kri­sel­te es. Fritz war fa­na­ti­scher Pa­tri­ot und wid­me­te seine For­schun­gen voll­kom­men der Suche nach neuen Kampf­ga­sen. Im Laufe des Krie­ges wurde er Ab­tei­lungs­lei­ter im Kriegs­mi­nis­te­ri­um und über­nahm die wis­sen­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung für das ge­sam­te Gas­kampf­we­sen. Clara bezog dazu deut­lich Stel­lung und be­zeich­ne­te das ganze Un­ter­neh­men als «Per­ver­si­on der Wis­sen­schaft», Haber warf ihr «Lan­des­ver­rat» und «an­ti­mi­li­tä­ri­sche Ein­stel­lung» vor. Am 22. April 1915 be­feh­lig­te Haber an der West­front bei Ypern in Bel­gi­en den erst­ma­li­gen Ein­satz von Chlor­gas. Am 2. Mai 1915 er­schoss sich Clara aus Pro­test gegen die von ihrem Mann ge­lei­te­te erste che­mi­sche Mas­sen­ver­nich­tung und deren un­ab­seh­ba­re Fol­gen. Doch am nächs­ten Tag stand in der Zei­tung, das die Grün­de für ihren Frei­tod un­be­kannt seien. Seit 1991 ehrt der Ver­ein In­ter­na­tio­na­le Ärzte für die Ver­hü­tung des Atom­krie­ges (IPPNW)das An­denken an die Pa­zi­fis­tin mit der Ver­lei­hung der Cla­ra- ​Im­mer­wahr- ​Me­dail­le

Luise Kau­tsky
Luise Kau­tsky (11.​8.​1864 Wien – 1.​11.​1944 Aus­schwitz- ​Bir­ken­au) war als Ehe­frau von Karl Kau­tsky seine po­li­ti­sche Weg­ge­fähr­tin und un­ent­behr­li­che Stüt­ze. Sie hat durch ei­gen­stän­di­ge Über­set­zun­gen so­zia­lis­ti­scher Texte aus dem Eng­li­schen und Fran­zö­si­schen maß­ge­bend zur in­ter­na­tio­na­len Ver­stän­di­gung der Ar­bei­ter­be­we­gung bei­ge­tra­gen. Als Freun­din von Rosa Lu­xem­burg war sie deren erste Bio­gra­fin. Als Jüdin wurde sie mit 80 Jah­ren nach Ausch­witz- ​Bir­ken­au de­por­tiert. Auf dem Kran­ken­la­ger ant­wor­te­te sie, dem Tode nahe, dem KZ- ​Arzt Men­ge­le auf seine Frage, ob sie des Kom­mu­nis­ten Frau sein: „ Ich bin des So­zia­lis­ten Frau“. Luise Kau­tsky war seit 1890 mit Karl Kau­tsky ver­hei­ra­tet. Al­lein in Frie­denau hatte das Ehe­paar mit ihren drei Söh­nen vier Wohn­adres­sen. Von 1900 bis 1902 wohn­ten sie in dem heute denk­mal­ge­schütz­ten Haus Saar­stra­ße 14. Das Haus wurde zum Treff­punkt der frü­hen So­zi­al­de­mo­kra­tie. Die drei Söhne gin­gen in Frie­denau zur Schu­le. Au­ßer­dem lebte sie in der Wie­land­stra­ße 26.

Erna Pros­kau­er
Erna Pros­kau­er (5.​8.​1903 – 18.​1.​2001), ge­bo­ren in Brom­berg, muss­te sie mit 17 Jah­ren ihre Ge­burts­stadt auf­grund des Ver­sail­les Ver­tra­ges ver­las­sen. Die Fa­mi­lie zieht nach Ber­lin in die Kai­ser­al­lee (heute Bun­des­al­lee). Erna Pros­kau­er stu­diert als eine der ers­ten Frau­en Rechts­wis­sen­schaf­ten. 1933 wird die frisch­ge­ba­cke­ne Ge­richt­s­as­ses­so­rin „bis auf wei­te­res“ vom Dienst sus­pen­diert. Als Jüdin wird ihr auch die Zu­las­sung als An­wäl­tin ver­wei­gert. Zu­sam­men mit ihrem Mann Max, der eben­falls Ju­rist ist, emi­griert sie nach Is­ra­el. An­fang der 50er Jahre keh­ren sie nach Deutsch­land zu­rück. Sie neh­men sich eine Woh­nung in Schö­ne­berg, Max lässt sich als An­walt nie­der. Erna be­an­tragt die Wie­der­auf­nah­me in den Jus­tiz­dienst, doch diese wird ihr nach jah­re­lan­gen Pro­zes­sen letzt­end­lich mit der Be­grün­dung ver­wei­gert, daß Erna Pros­kau­er nicht als Jüdin be­nach­tei­ligt wor­den sein soll, son­dern aus be­am­ten­recht­li­chen Grün­den zu­al­ler­erst „als ver­hei­ra­te­te Frau“. Dafür gibt es keine Wie­der­gut­ma­chung. Für ihre „Ver­diens­te um die Ber­li­ner Jus­tiz“ wurde Erna Pros­kau­er 1995 das Bun­des­ver­dienst­kreuz ver­lie­hen. Sie starb 2001 in ihrem 98. Lebensjahr.​Sie starb 2001 in ihrem 98. Le­bens­jahr.

Ger­tru­de Sand­mann

Ger­tru­de Sand­mann (16.​11.​1893 in Ber­lin – 6.​1.​1981 Ber­lin) war eine Ber­li­ner Künst­le­rin und Grün­de­rin der Grup­pe L47. Als les­bisch jü­di­sche Ma­le­r­in durf­te sie zu­nächst nicht an der Aka­de­mie der Küns­te ler­nen und be­leg­te Kurse beim Ver­ein Ber­li­ner Künst­le­rin­nen. In der NS- ​Zeit wurde sie ver­folgt und tauch­te unter. Ihre Ge­dan­ken zum Über­le­bens­kampf im Ber­li­ner Un­ter­grund, zum Ju­den­tum und der ge­sell­schaft­li­chen Po­si­ti­on Frau las­sen Ihre Werke in einem po­li­ti­schen Kon­text er­schei­nen.

Eli­sa­beth Schu­ma­cher
Eli­sa­beth Schu­ma­cher (geb. Ho­hen­em­ser: 28.​04.​1904 – 22.​12.​1942 Ber­lin) war Gra­fi­ke­rin und Mit­glied der „Roten Ka­pel­le“. Wäh­rend des Spa­ni­schen Bür­ger­krie­ges ko­pier­te und mi­ni­a­tu­ri­sier­te sie ge­hei­me Ma­te­ria­li­en der deut­schen Luft­waf­fe, und ver­teil­te mit der Grup­pe il­le­gal Flug­blät­ter und do­ku­men­tier­te Ver­bre­chen des NS- ​Re­gimes. Sie ver­brei­te­te selbst il­le­ga­le Wi­der­stands­schrif­ten und ver­such­te, jü­di­sche An­ge­hö­ri­ge vor der De­por­ta­ti­on zu schüt­zen. 1942 wur­den Sie, ihr Mann, der Bild­hau­er Kurt Schu­ma­cher, den sie 1934 ge­hei­ra­tet hatte, und zahl­rei­che wei­te­re Mit­glie­der Wi­der­ständ­ler ver­haf­tet. Sie wurde am 19. De­zember vom Reichs­kriegs­ge­richt wegen „Vor­be­rei­tung zum Hoch­ver­rat“, „Lan­des­ver­rat“ und wei­te­rer po­li­ti­scher Ver­ge­hen zum Tode ver­ur­teilt und am 22. De­zember im Straf­ge­fäng­nis Ber­lin- ​Plöt­zen­see unter dem Fall­beil hin­ge­rich­tet.

He­le­ne Stö­cker
He­le­ne Stö­cker (13.​11.​1869 El­ber­fels – 24.​2.​1943 New York) war eine deut­sche Se­xu­al­re­for­me­rin und Pa­zi­fis­tin. Stö­cker war eine der ers­ten Ber­li­ner Ab­itu­ri­en­tin­nen und Gast­hö­re­rin­nen der Ber­li­ner Uni­ver­si­tät. 1905 Grün­de­te sie den „Bund für Mut­ter­schutz und Se­xu­al­re­form“. Ihr Frie­de­nau­er Wohn­sitz in der Sen­ta­stra­ße 5 wurde zweit­wei­se zum Sitz des Ver­eins. Stö­cker setz­te sich u.a. für die Se­xu­al­auf­klä­rung, Ver­hü­tung und Se­xu­al­hy­gie­ne sowie für die Straf­frei­heit der Ab­trei­bung, freie Se­xua­li­tät für Frau­en auch au­ßer­halb der Ehe und männ­li­che Ho­mo­se­xua­li­tät ein. Mit Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges en­ga­gier­te sich Stö­cker in der Frie­dens­be­we­gung und wurde Mit­glied des „Bun­des für Kriegs­dienst­geg­ner“ (BdF). Nach der Macht­über­nah­me der Nazis floh sie über die Schweiz und Schwe­den in die USA.

Gerda Sze­pans­ky
Gerda Sze­pans­ky (geb.: 6. De­zember 1925 Ber­lin – 3. Au­gust 2004 Ber­lin- ​Ma­ri­en­dorf) war Jour­na­lis­tin, Leh­re­rin, und Pu­bli­zis­tin und er­hielt 1996 das Bun­des­ver­dienst­kreuz am Bande ver­lie­hen. In der Nach­kriegs­zeit wur­den sie und ihr Mann Wolf­gang Sze­pans­ky, ein Über­le­ben­der des KZ Sach­sen­hau­sen, den sie auf einer Ver­samm­lung an­ti­fa­schis­ti­scher Leh­rer kurz nach Kriegs­en­de ken­nen­ge­lernt hatte, wegen „ak­ti­ver Be­tä­ti­gung im Sinne der SED“ per Straf­be­scheid aus dem Schul­dienst ent­las­sen. Sie über­nahm die Lei­tung des Kul­tur­clubs der Ge­sell­schaft für Deutsch- ​So­wje­ti­sche Freund­schaft in West- ​Ber­lin. Als His­to­ri­ke­rin be­schäf­tig­te sie sich mit der Auf­ar­bei­tung der Le­bens­ge­schich­ten von Frau­en, sie en­ga­gier­te sich für die Ge­denk­stät­te des Frau­en- ​KZ Ra­vens­brück, or­ga­ni­sier­te Austel­lun­gen und Ver­öf­fent­li­chun­gern für die Bran­den­bur­gi­sche Lan­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung und war auch im Ver­band deut­scher Schrift­stel­ler in der Ge­werk­schaft ver.​di aktiv.

Fran­zis­ka Ti­bur­ti­us
Fran­zis­ka Ti­bur­ti­us (geb.: 24. Ja­nu­ar 1843 auf Rügen – 5. Mai 1927 Ber­lin) war eine der ers­ten deut­schen Ärz­tin­nen und Kämp­fe­rin für die Öff­nung der Uni­ver­si­tä­ten für Frau­en.
Nach dem Schul­ab­schluss ar­bei­te­te sie zu­nächst als Er­zie­he­rin auf Rügen und in Eng­land, bevor sie sich ent­schloss, Me­di­zin zu stu­die­ren. In Deutsch­land war es Frau­en zu die­ser Zeit nicht ge­stat­tet die Uni­ver­si­tät zu be­su­chen, daher ging sie 1871 nach Zü­rich, wo be­reits seit den 1860er Jah­ren Frau­en im­ma­tri­ku­liert wur­den und ihnen das Pro­mo­ti­ons­recht ge­bo­ten wurde. Be­reits 1876 schloss sie ihr Me­di­zin­stu­di­um mit her­vor­ra­gen­den Leis­tun­gen ab und ging an­schlie­ßend als Vo­lon­tär­ärz­tin nach Leip­zig, dann in die Kö­nig­li­che Ent­bin­dungs­an­stalt Dres­den, wo sie sich ver­geb­lich um eine Ap­pro­ba­ti­on be­müh­te. Dar­auf­hin zog sie nach Ber­lin und grün­de­te ge­mein­sam mit Emi­lie Leh­mus im Prenz­lau­er Berg eine ei­ge­ne Pra­xis, sie muss­ten sich dabei je­doch als „Dr. med. in Zü­rich“ aus­wei­sen und hat­ten damit nur etwa den Sta­tus eines Heil­prak­ti­kers. 1908 er­öff­ne­te sie ge­mein­sam mit einer wei­te­ren Kol­le­gin, Agnes Ha­cker, Mit­be­grün­de­rin des „Deut­schen Bun­des für Mut­ter­schutz und Se­xu­al­re­form“, die „Chir­ur­gi­sche Kli­nik weib­li­cher Ärzte“. Dort wurde ins­be­son­de­re auch Ar­bei­te­rin­nen die ärzt­li­che Be­hand­lung durch nied­ri­ge Ho­no­ra­re er­mög­licht, und vor allem jun­gen Ärz­tin­nen Aus- und Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten ge­bo­ten. Noch im glei­chen Jahr wur­den Frau­en erst­mals an preu­ßi­schen Uni­ver­si­tä­ten, und ab 1914 zur Ap­pro­ba­ti­on zu­ge­las­sen.

Sie ken­nen tolle Frau­en nach denen Stra­ßen be­nannt wer­den kön­nen? Wir freu­en uns über Ihre Vor­schlä­ge an post(at)spd- fraktion- tempelhof- schoeneberg.​de

Presseerklärung: Frauen in Tempelhof-Schöneberg sichtbar machen!

Zur Plenarsitzung der Bezirksverordnetenversammlung am 25. April 2012 bringen die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam einen Antrag ein, der es sich zum Ziel setzt, Frauen im öffentlichen Straßenland sichtbar zu machen. Durch einen Pool mit Namen von Frauen, die Großes geleistet haben, soll sich dies nun ändern. Denn, obwohl die Bezirksverordnetenversammlung schon 2004 einen Beschluss fasste, der die bevorzugte Benennung von Straßen und bezirklichen Einrichtungen nach Frauen vorsieht, gab es immer wieder Diskussionen darum, ob Männer nicht wieder stärkere Beachtung finden sollten.

Die traditionelle Geschichtsschreibung hatte Frauen lange übersehen. Dies zeigt sich auch in der Benennung von Straßen. In Tempelhof-Schöneberg finden sich kaum Frauen auf Straßenschildern wieder. Laut einer Mitteilung zur Kenntnisnahme von 2005 gibt es in Tempelhof-Schöneberg 385 Straßen, davon sind 28 Straßen nach Frauen benannt, etwa ein Drittel der Namen bezieht sich auf Figuren aus Wagneropern und aus der Mythologie. Seit dem sind eine Handvoll Frauen auf Schilder gekommen, darunter die Erika Gräfin von Brockdorff in Schöneberg oder Hildegard Knef am Bahnhof Südkreuz.

„Dabei sind weibliche Galionsfiguren als Vorbilder für eine gleichberechtigte Gesellschaft sehr wichtig.“, stellen die frauenpolitische Sprecherin, Marijke Höppner (SPD), und der frauenpolitische Sprecher, Marius Feldkamp (Bündnis 90/Die Grünen), fest. „Mit einer Liste oder einem Namenspool mit Frauennamen für Straßenbenennungen verbinden wir den Wunsch, dem weiblichen Blick auf die Welt Ausdruck zu verleihen und die Vielfalt weiblichen Schaffens und Denkens sichtbar zu machen.“

Dass es den beiden Fraktionen ernst ist, zeigt sich darin, dass sie dem Wunsch nach einem Namenspool schon mehrere Namen beigefügt haben, darunter die antifaschistische Autorin Gerda Szepansky aus Mariendorf und die jüdisch lesbische Malerin Gertrude Sandmann.

Antrag: Warte-TV zur Aufklärung über häusliche Gewalt nutzen

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Die BVV ersucht das Bezirksamt zu prüfen, ob anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen im Warte-TV der bezirklichen Einrichtungen ein Spot gezeigt werden kann, der Frauen über häusliche Gewalt und mögliche Anlaufstellen informiert. Eine Kooperation mit einem lokal angesiedelten Anti-Gewalt-Projekt wie Frauenzimmer e.V. soll angestrebt werden.
Das Bezirksamt wird ersucht zu prüfen, ob Kosten entstehen und ob diese ggf. durch Sponsoring abgedeckt werden können.

Begründung:
In Tempelhof-Schöneberg gibt es vier Anlaufstellen mit Warte-TV in den Wartezimmern bezirklicher Einrichtungen wie dem Bürgeramt.
Die Reichweite liegt momentan berlinweit mit 45 TV-Geräten in 29 Ämtern bei etwa 360.000 intensiven Besucherkontakten pro Monat. Je nach Größe und Einzugsgebiet rechnet Central Media Spots allgemein mit 70.000 bis 120.000 Besuchern pro Jahr in Bürgeramt für die Standorte Rathaus Schöneberg, Rathaus Tempelhof und Lichtenrade.
Durch die Kombination von Werbung und tagesaktuellen Nachrichten, Bürgerinformationen, Sehenswürdigkeiten im Stadtbezirk, Quizfragen, Tiervermittlung, Kulturinfos u.a. genießt das Wartefernsehen eine sehr hohe Akzeptanz bei den Besucher*innen und ist gleichzeitig ein informativer und angenehmer Bürgerservice. (Informationen von Central Media Spots)

Durch das Warte-Fernsehen, könnten verhältnismäßig viele Menschen niedrigschwellig erreicht werden.

Die Repräsentativstudie von 2004 zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ (Schröttle et al.) kommt zu dem Ergebnis, dass jede vierte Frau (25%) körperliche und/oder sexuelle Gewalt in mindestens einem Fall durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt hat. Knapp ein Drittel der befragten Frauen berichtete über eine einzige Gewalterfahrung, ein Drittel über 2-10 Situationen und ebenfalls ein Drittel über häufige und langanhaltende Gewalt. Zwei Drittel der Frauen erlebten mittlere bis schwere Formen der Gewalt mit Verletzungsfolgen und Angst vor ernsthaften und lebensgefährlichen Verletzungen. Bei 40% der gewaltbetroffenen Frauen dauerte die Gewaltbeziehung länger als ein Jahr, bei 17%, mehr als 5 Jahre. Jede siebte Frau berichtete über Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder Nötigung zu sexuellen Handlungen.
Erhöhte Risiken für den Beginn häuslicher Gewalt bestehen in bestimmten Lebens- und Umbruchphasen wie Heirat (38%), Zusammenziehen (34%), Geburt des Kindes (20%) und Schwangerschaft (10%). Misshandlungen sind intensiver und häufiger, wenn Frauen schwanger sind oder kleine Kinder haben, nicht zu vergessen, dass ungewollte Schwangerschaften auch eine Gewaltfolge sein können.
50% der gewaltbetroffenen Frauen hatten bereits als Kind direkt Gewalt erlebt oder waren Zeuginnen von Häuslicher Gewalt. Misshandlung in der Kindheit und Jugendzeit ist somit einer der größten Risikofaktoren, im Erwachsenenleben Partnergewalt zu erleben oder auszuüben und hat langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit und das Gesundheitshandeln als Erwachsene.
Studien belegen, dass es auch ein hohes Risiko für die Misshandlung von Kindern bei Gewalt in der Partnerschaft gibt, d.h. eine Gleichzeitigkeit von häuslicher Gewalt und Gewalt gegen Kinder verbreitet ist. (Quelle: http://www.frauenzimmer-ev.de/index.php?n=n301#weiterlesen)

Das Warte-TV bietet die Möglichkeit viele Frauen zu erreichen, und sie über die Kontaktstellen und Hilfemöglichkeiten bei häuslicher Gewalt zu informieren.

Den Verlauf dieses Antrages finden Sie hier.

Eingebracht in die BVV am 25.04.2012.

Antrag: Frauen im Bezirk sichtbar machen!

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

1) Die BVV ersucht das Bezirksamt einen Namenspool bzw. eine Namensliste mit Frauennamen anzufertigen, die für eine Straßenbenennung in Tempelhof-Schöneberg in Frage kommen. Die Namensvorschläge sind mit einer Begründung zu versehen. Die Liste soll nicht abschließend sein und kontinuierlich ergänzt werden können, auch durch direkte Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern. Die Namensvorschläge sollen vom Amt für Weiterbildung und Kultur gesammelt und einmal jährlich dem zuständigen Ausschuss vorgelegt werden. Die Vorlage ist mindestens einen Monat vor Einbringung in den Ausschuss öffentlich zu machen.

2) Folgende Personen sind bei der Liste zu berücksichtigen:
Pina Bausch
Margarete Berent
Gertrud Hanna
Jenny Hirsch
Clara Immerwahr
Luise Kautsky
Erna Proskauer
Getrude Sandmann
Elisabeth Schumacher
Helene Stöcker
Gerda Szepansky
Franziska Tiburtius

Begründung:

Die traditionelle Geschichtsschreibung hatte Frauen lange übersehen. Dies zeigt sich auch in der Benennung von Straßen. In Tempelhof-Schöneberg finden sich kaum Frauen auf Straßenschildern wieder. Dabei sind weibliche Galionsfiguren als Vorbilder für eine gleichberechtigte Gesellschaft sehr wichtig. Mit einer Liste oder einem Namenspool mit Frauennamen für Straßenbenennungen, verbinden wir den Wunsch, dem weiblichen Blick auf die Welt Ausdruck zu verleihen und die Vielfalt weiblichen Schaffens und Denkens sichtbar zu machen.

Den Verlauf dieses Antrages finden Sie hier.

Eingebracht in die BVV am 25.04.2012.

Dieser Antrag wird gemeinsam von der SPD Fraktion und Bündnis 90/Die grünen eingebracht.

Antrag: Ausstellung Homestory Deutschland

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Die BVV ersucht das Bezirksamt zu prüfen, ob die Ausstellung „Homestory Deutschland. Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart“ sowie die dazugehörige Szenische Lesung im Rahmen des Programms Cross Kultur 2012 oder 2013 in Tempelhof-Schöneberg gezeigt und aufgeführt werden können.

Begründung:

„Homestory Deutschland. Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart“ ist eine Ausstellung der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland – ISD Bund e.V., gefördert durch die Bundeszentrale politische Bildung und die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft – EVZ.
Die Ausstellung wird als ein kollektives Selbstportrait beschrieben, dass afrikanische, afrikanisch-amerikanische und afrikanisch-deutsche Erinnerungstraditionen aufgreift. Mündliche und schriftliche Weitergabe gelebter Erfahrungen kommt eine maßgebliche Rolle zu.
Siebenundzwanzig aufbereitete Biografien schwarzer Männer und Frauen stellen exemplarisch dar wie gesellschaftliche Verhältnisse sich in den individuellen Lebensentwürfen widerspiegeln. Während eine bebilderte Zeitleisten Schwarze Geschichte von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart faktisch belegen.
Die Szenische Lesung der Autorinnen ManuEla Ritz und Sharon Otoo zeichnet sechs Schwarze deutsche Lebensgeschichten nach, die einen Bogen über 300 Jahre deutsche Geschichte spannen.
Mehr Infos unter www.homestory-deutschland.de

Den Verlauf des Antrages finden sie hier.

In die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht am 25.04.2012

Kleine Anfrage Bedarf von (Vor)Beratung für Opfer von häuslicher Gewalt in Marienfelde/Lichtenrade ermitteln

Kleine Anfrage gemäß § 39 GO BVV, lfd. Nr. 004 der Bezirksverordneten Marijke Höppner

Die vorbezeichnete Kleine Anfrage wird wie folgt beantwortet:

Zu 1.) Welche Hinweise können Datenerhebung/Statistik und aktuelle Berichte von Polizei, Beratungsstellen für Opfer von häuslicher Gewalt und Notaufnahme bzw. Hausarztpraxen bezüglich häuslicher Gewalt in Marienfelde und/oder Lichtenrade geben?
Zu den aktuellen polizeilichen Daten bezüglich häuslicher Gewalt in Marienfelde und Lichtenrade (Abschnitt 47) antwortet die zuständige Direktion 4 des Polizeipräsidenten in Berlin wie folgt:

„Die polizeiliche Recherche von Delikten, die dem Phänomen Häusliche Gewalt zuzuordnen sind, basiert auf verschiedenen Kennzeichnungsmöglichkeiten betreffender Strafanzeigen im Rahmen der Anzeigenaufnahme oder weiteren Bearbeitung der Vorgänge in der EDV (POLIKS = Polizeiliches Landessystem zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung). Es handelt sich dabei aber nicht um Zwangseingaben, so dass eine gewisse Unschärfe der Resultate entsprechender Erhebungen berücksichtigt werden muss. Daneben werden nach Einsätzen der Polizei Berlin im Zusammenhang mit Häuslicher Gewalt grundsätzlich sog. Formelle Nachrichten (= Fernschreiben) abgesetzt. Diese FN werden im Stab der Direktion 4 von der Koordinatorin HG/OSB (Häusliche Gewalt/Opferschutzbeauftragte) ausgewertet und bilden eine weitere Erhebungsgrundlage. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass den eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamten ein Ermessensspielraum bei der deliktischen Zuordnung eines Sachverhaltes als Häusliche Gewalt zur Verfügung steht. Auf andere Quellen kann die Polizei Berlin nicht zurückgreifen.

Im Anschluss werden zunächst Daten zur Häuslichen Gewalt im Abschnittsbereich 47 nach der Auswertung der Formellen Nachrichten von 2009 bis 2011 durch die Koordinatorin Häusliche Gewalt/Opferschutzbeauftragte der Direktion 4 dargestellt. Dabei ist zu beachten, dass die Auswertung der Formellen Nachrichten nicht mit dem Datenbestand des POLIKS vergleichbar ist, und hier keine gesonderte Betrachtung der Ortsteile erfolgt, sondern der Abschnitt 47 insgesamt betrachtet wird:

Tabelle 1: Einsatzzahlen im Abschnittsbereich 47

Jahr HG-Einsätze
Abschnitt 47 Wegweisungen
Abschnitt 47 Wegweisungs-
quote Abschnitt 47 HG-Einsätze
Direktion 4
gesamt Anteil der HG-Einsätze
im Abschnitt 47 an den HG-Einsätzen
in der Direktion 4
2009 134 30 22,4% 1028 13%
2010 163 34 20,9% 1024 16%
2011
(einschl. 20.12.) 190 35 18,4% 1146 16,6%
Tabelle 2: Aufschlüsselung der eingeleiteten Ermittlungsverfahren in Deliktsgruppen

Jahr Körper-
verletzungen Bedrohungen Verstoß
Gewaltschutzgesetz Stalking Tötungs
-delikte Sonstige
2009 89 25 6 8 0 72
2010 64 19 2 4 0 30
2011
(einschl. 20.12.) 99 27 10 15 1 63

Evident ist in der 1. Tabelle, dass im Abschnitt 47 sowohl die Einsätze bei Häuslicher Gewalt als auch die Wegweisungen in den absoluten Zahlen von 2009 bis 2011 einen Anstieg aufweisen; bei den Einsätzen sogar ein deutlicher Anstieg von 134 Einsätzen in 2009 bis zu 190 in 2011. Bei den Wegweisungen ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen von 30 (2009) auf 35 (2011).

Zusammengefasst heißt das, dass im Abschnitt 47 eine Zunahme von Häuslichen Gewalt zu verzeichnen ist.

Auch in der 2. Tabelle, welche die Aufschlüsselung der eingeleiteten Ermittlungsverfahren in Deliktgruppen darstellt, ist von 2009 bis 2011 ein Anstieg in allen Deliktgruppen festzustellen bis auf die unter „Sonstige“ zusammengefassten Deliktsgruppen.
Im Jahr 2011 ist sogar ein Tötungsdelikt festgestellt worden. Bei den Stalking-Fällen gab es nahezu eine Verdopplung; Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz erhöhen sich um 66%, und bei den Körperverletzungen – die mit Abstand größte Deliktgruppe – wird eine Zunahme von 10 Fällen registriert von 89 (2009) auf 99 Fälle (2011), d.h. zusammengefasst:

In allen schwerwiegenden Deliktsgruppen von Häuslichen Gewalt ist im Abschnitt 47 von 2009-2011 ein Anstieg zu verzeichnen.

Die beiden nachfolgenden Tabellen zeigen Daten aus dem Referat Verbrechensbekämpfung über Straftaten im Rahmen der Häuslichen Gewalt im Abschnittsbereich 47, ausdifferenziert nach den Ortsteilen Lichtenrade und Marienfelde in 2010 und 2011.

Tabelle 3: Straftaten im Rahmen der „Häuslichen Gewalt“ im Bereich A 47 – Gruppiert nach Obergruppen

Anzahl Vorgänge Jahr Abschnitt Ortsteil Jahr Abschnitt
2010 ∑ TSch 2010 2011 ∑ TSch 2011
A 47 A 47
Obergruppe Lichtenrade Marienfelde Lichtenrade Marienfelde
einfacher Diebstahl 2 1 3 3 4 7
Rohheitsdelikte 143 69 212 117 91 208
Sexualdelikte - 1 1 - 1 1
Sonstige Straftaten 30 17 47 21 25 46
Straftaten gegen das Leben 1 - 1 - - -
Vermögensdelikte 1 1 2 3 - 3
Gesamtergebnis 177 89 266 144 121 265

Tabelle 4: Straftaten im Rahmen der „Häuslichen Gewalt“ im Bereich A 47 – Gruppiert nach Obergruppen
Das Datenmaterial wurde seitens der Direktionsleitung für eine kurze Einschätzung bezüglich der derzeitigen Situation von Häuslichen Gewalt in der Region (Abschnitt 47) herangezogen und in folgender Weise zusammengefasst:

„Die Fallzahlen für Einsätze im Abschnittsbereich 47, die dem Phänomen Häusliche Gewalt zugeordnet wurden, sind seit 2009 gestiegen, vgl. Tabelle Dir 4 St 421. Ursachen könnten eine gewachsene Sensibilität eingesetzter Polizeikräfte und damit einhergehend eine höhere Anzeigebereitschaft betroffener Frauen sein. Die Erhebungen des Referates VB indizieren im Vergleich der Jahre 2010 und 2011 zwar erhebliche Fallzahlenschwankungen innerhalb der betrachteten Ortsteile, allerdings bei nahezu identischer Gesamtbelastung.“

Die Abteilung Jugend, Ordnung, Bürgerdienste beantwortet die o.g. Frage wie folgt:

„Das Miterleben von häuslicher Gewalt stellt in aller Regel eine Gefahr für das Wohl und die Entwicklung der Kinder dar. Eine Meldung über häusliche Gewalt ist deshalb in den Regionen Lichtenrade und Marienfelde, wie im gesamten Jugendamt T-S eine Kinderschutzmeldung. Das berlineinheitliche Verfahren wird in Anwendung der AV Kinderschutz JugGes Nr.6 verbindlich durchgeführt (1.Stufe: Risikoeinschätzung, 2.Stufe: Einschätzung der Kindeswohlgefährdung). In aller Regel ist ein Vor-Ort-Besuch erforderlich und in beiden Stufen erfolgt die Einschätzung verpflichtend nach dem Vier-Augen-Prinzip. Im Rahmen der Einschätzung der Kindeswohlgefährdung ist ein Hilfe- und Schutzkonzept zu erstellen.

Die Anzahl der Kinderschutzmeldungen insgesamt sind in den letzten Jahren in beiden Regionen stetig gestiegen:

Marienfelde:
Kinderschutzmeldungen insgesamt Anteil häusliche Gewalt/Partnerschaftsgewalt %
2009 89 29 32,6
2010 103 28 27,2
2011
(Stand:30.11.11) 122
48 39,3

Lichtenrade:
Kinderschutzmeldungen insgesamt Anteil häusliche Gewalt/Partnerschaftsgewalt %
2009 156 31 19,9
2010 201 55 27,4
2011
(Stand:30.11.11) 187
52 27,8

Deutlich wird, dass es für die Region Lichtenrade von 2009 zu 2010 einen deutlichen Anstieg der Kinderschutzmeldungen insgesamt gab und auch der Anteil an häuslicher Gewalt/Partnerschaftsgewalt deutlich zugenommen hat. Im Jahr 2011 erreichen die Meldungen einen ähnlich hohen Stand wie in 2010.

Für die Region Marienfelde zeigt sich, dass es von 2010 zu 2011 zu einem erheblichen Anstieg der Kinderschutzmeldungen insgesamt kam, insbesondere im Bereich häusliche Gewalt/Partnerschaftsgewalt.

In beiden Regionen erfolgte die Meldung überwiegend durch die Polizei in Folge von polizeilichen Einsätzen.“

zu 2.) Welche Informationen gibt es von regional orientierten Einrichtungen über einen erhöhten Bedarf von Vorberatung und Vermittlung von Opfern von häuslicher Gewalt?
Diese Frage wird durch die Abteilung Jugend, Ordnung, Bürgerdienste wie folgt beantwortet:

„Aufgrund der Dringlichkeit konnte nur eine Auswahl an Regelträgern in den beiden Regionen befragt werden, darunter das Quartiersbüro W40 und der Träger AHB-Berlin Süd gGmbH mit dem Nachbarschafts- und Familienzentrum Finchleystraße in Lichtenrade und dem Nachbarschaftstreff Marienfelde in der Waldsassenerstraße.

Für die Region Lichtenrade gab es keine Meldung an erhöhtem Bedarf von Vorberatung und Vermittlung von Opfern häuslicher Gewalt von den befragten Trägern.

Für die Region Marienfelde meldete ein Träger im Zusammenhang mit den unter Punkt 3 beschriebenen Vorfällen zusätzlichen Bedarf an Personal an, um in akuten Fällen die Beratungen zeitintensiver gestalten und um die Frauen persönlich zu anderen Einrichtungen oder zur Polizei begleiten zu können.

Gleichzeitig bestätigte der Träger, dass er in den drei beschriebenen Fällen die betroffenen Frauen durch seine Fachkräfte qualifiziert beraten und an entsprechende Institutionen weitervermitteln konnte.

zu 3.) Inwiefern ist dem Bezirksamt bekannt, dass Frauen in bezirklich geförderten Einrichtungen Schutz vor Gewalt gesucht haben?
Hierzu berichtet die Abteilung Jugend, Ordnung, Bürgerdienste:

„Für die Region Lichtenrade wurden von den Trägern keine Fälle gemeldet, in denen Frauen in bezirklich geförderten Einrichtungen Schutz vor Gewalt gesucht haben.

Für die Region Marienfelde berichtete der Träger AHB, der in Marienfelde in der Waldsassener Str. 16 einen Nachbarschaftstreff für Kinder und Jugendliche und deren Familien betreibt, aktuell von drei Fällen, in denen Frauen in den Räumen des Nachbarschaftstreffs Schutz suchten. Die Lebenspartner dieser Frauen verschafften sich Zutritt zu der Einrichtung und bedrohten ihre Frauen und die Mitarbeiterinnen des Trägers massiv. Die Vorfälle fanden während der Öffnungszeiten der Einrichtung statt. In einem Fall wurde Anzeige gegen einen Lebenspartner erstattet.“

zu 4.) Wie werden Einrichtungen dabei unterstützt qualifiziert und koordiniert Opfern von häuslicher Gewalt weiterzuhelfen?
Die Abteilung Jugend, Ordnung, Bürgerdienste beantwortet diese Frage wie folgt:
„Einrichtungen, die ihre Leistungen im Rahmen der Jugendhilfe gemäß SGB VIII, wie das Nachbarschafts- und Familienzentrum Finchleystraße und der Nachbarschaftstreff Marienfelde in der Waldsassenerstraße erbringen, haben sich im Rahmen eines Leistungsvertrages verpflichtet, qualifizierte Fachkräfte einzusetzen und für die Fachkräfte Fortbildung und Praxisberatung sicherzustellen.

Eine qualifizierte Fachkraft, die im Bereich der Jugendhilfe tätig ist, sollte auf Problembereiche wie häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch, Sucht usw. vorbereitet sein bzw. zunächst vom eigenen Träger Unterstützung erhalten.

Die Einrichtungen bzw. Träger haben darüber hinaus in beiden Regionen, Lichtenrade und Marienfelde, durch die enge Vernetzung der Träger mit dem Jugendamt über die regionale Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII, die regelmäßigen Treffen der Geschäftsführer mit der Regionalleitung, der Teilnahme der Träger an Fallteamsitzungen und nicht zuletzt die Kontaktaufnahme zum regionalen Sozialdienst die Möglichkeit, qualifiziert unterstützt zu werden.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vorortbüro W40 sind mit den Institutionen und Trägern im Gebiet so eng vernetzt, dass sie bei aktuellen Vorkommnissen schnell und qualifiziert an die entsprechenden Stellen weitervermitteln können.“

zu 5.) Inwiefern sieht das Bezirksamt einen Mehrbedarf zur Unterstützung von bezirklichen Einrichtung in der Region Marienfelde bzw. Lichtenrade im Umgang mit Opfern von häuslicher Gewalt?
Die Abteilung Jugend, Ordnung, Bürgerdienste beantwortet diese Frage wie folgt:

„Für die Region Lichtenrade kann aus Sicht des Jugendamtes kein Mehrbedarf an Unterstützung von Einrichtungen im Umgang mit Opfern erkannt werden. Für die Region Lichtenrade haben die Träger keinen Mehrbedarf angemeldet.

In der Region Marienfelde sehen wir die unter Punkt 3 beschriebenen Vorfälle im Zusammenhang mit der steigenden Zahl von Kinderschutzmeldungen insbesondere im Bereich häuslicher Gewalt/Partnerschaftsgewalt. Wir stellen einen Mehrbedarf an intensiver Beratung zur Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt/Partnerschaftsgewalt in der Region fest. Für dieses Beratungsangebot für Opfer von häuslicher Gewalt/Partnerschaftsgewalt müssten entsprechende Räumlichkeiten und eine Finanzierung gefunden werden.

Gemäß des Leistungsvertrags, der zwischen dem Träger AHB und dem Jugendamt geschlossen wurde, hat der Träger den Auftrag Angebote für Kinder aus der Region in seiner Einrichtung vorzuhalten. Die unter Punkt 3 beschriebenen massiven Bedrohungen fanden in Gegenwart der Kinder statt, die sich dort in ihrer Freizeit aufhielten. Der Schutz dieser Kinder wäre nicht mehr zu gewährleisten, wenn in der Einrichtung neben dem normalen Betrieb gleichzeitig ein Beratungsangebot für Opfer von häuslicher Gewalt/Partnerschaftsgewalt stattfinden würde.“

Weitere Hinweise:

Zu dieser kleinen Anfrage haben sowohl die Abteilung Bildung, Kultur und Sport als auch die Abteilung Gesundheit, Soziales, Stadtentwicklung Fehlanzeige gemeldet, wobei letztere zusätzlich auf die Aktivitäten von S.I.G.N.A.L. Intervention im Gesundheitsbereich gegen Gewalt e.V. im Land Berlin verweist.

S.I.G.N.A.L. gibt selbst Auskünfte zur Kleinen Anfrage allerdings fokussiert auf 4.) und 5.) der Kleinen Anfrage also zu der Frage nach Qualifizierung und Unterstützung – hier bezogen auf medizinisches- und Pflegepersonal und auf die Frage nach „Mehrbedarf“. Hierzu führt S.I.G.N.A.L. aus:

Im Rahmen des S.I.G.N.A.L.-Interventionsprogramms hat das Projekt 2011 drei Fortbildungen für Beschäftigte des St. Joseph Krankenhauses durchgeführt, „an denen 50-60 Personen (Pflegekräfte, Hebammen, Sozialdienst, Psychologinnen) teilnahmen. Seit 2010 ist die Thematik „Intervention bei häuslicher Gewalt“ in die Pflegeausbildung der Pflegeschule am St. Joseph Krankenhauses integriert.
Weitere Kontakte bestehen zum Wenckebach-Krankenhaus. Im März 2011 fand eine Projektpräsentation für alle pflegerischen und ärztlichen Leitungen der Rettungsstellen
der Vivantes Kliniken durch die Koordinierungsstelle statt.“

Bezogen auf den Bedarf liegen S.I.G.N.A.L. keine Daten aus Krankenhäusern und Arztpraxen in Tempelhof-Schöneberg vor. Seitens des Trägers wird davon ausgegangen, „dass die hohe Prävalenz von häuslicher und sexualisierter Gewalt (Schröttle et al. 2004) ebenfalls für den Bezirk Tempelhof/Schöneberg zutrifft.“ S.I.G.N.A.L. geht davon aus, dass diese wissenschaftlich untersetzte Annahme auch auf die Region Lichtenrade und Marienfelde übertragen werden kann.

Angelika Schöttler

NPD aus Marienfelde vertrieben!

150 Menschen kamen zur – durch Gunter Hädke (SPD Marienfelde, Lichtenrade) und Rainer Jehle (Grüne) angemeldeten Kundgebung vor der Notaufnahmestelle für Flüchtlinge. Anlass war ein durch die NPD verlegter Aufmarsch, der für die Ausweisung von „kriminellen Ausländern“ werben sollte. Gunter Hädke (SPD), Rainer Jehle (Grüne), Harald Gindra (Linke), Frank Röder (Piraten) sowie die staatssekretärin Barbara Loth (SPD) und die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) sprachen auf der Kundgebung. Schöttler fand während der Kundgebung klare Worte: „Der Bezirk Tempelhof Schöneberg steht für Weltoffenheit und Akzeptanz. Aufmärsche wie der von der NPD heute geplante, sind nicht erwünscht.“

Im Anschluss fand der von der Polizei hoch geschützte Aufzug der NPD statt. Viele Marienfelder und Marienfelderinnen standen am Straßenrand und begleiteten den Demonstrationszug mit kritischen Sprechchören. Die menschenverachtenden Megafonansagen der NPD hatten kaum eine Chance. Menschen riefen aus den Fenstern, dass die NPD unerwünscht sei, einige hatten Transparente gemalt und warben von Hausdach zu Hausdach für Akzeptanz und ein menschliches Miteinander. Kleinere Sitzblockaden hielten den Demonstrationszug kurzfristig auf. Weitere 60 Menschen, versammelten sich nach dem Aufruf einer Nachbarschaftsinitiative vor dem Dorothee-Söller-Haus in der Waldsassener Straße 9. Dort kam der Neo-Nazi-Aufmarsch ins Stocken. Fast eine Stunde versuchten Sie ihr rassistisches Gedankengut zu verbreiten, während Gegendemonstranten sie unterbrachen. Schließlich gab der Demonstrations- und NPD-Kader die Ansage zum Abzug. Die NPD zog vorzeitig ab aus Marienfelde, die angekündigte Wegstrecke konnten sie nicht mehr bis zum Ende laufen. Gegen 22 Uhr konnten auch die Gegendemonstranten nach Hause gehen.

Für den kurzfristigen organisierten Protest gilt der Dank den zivilgesellschaftlichen Gruppen und spontan entstandenen Initiativen, die sich wie wir ein Marienfelde ohne braunes Gedankengut wünschen.

Aufruf zur Kundgebung gegen NPD Aufmarsch in Marienfelde

Aufruf zur Kundgebung gegen den geplanten NPD Aufmarsch in Marienfelde am 13. April um 18 Uhr, Marienfelder Allee 66. Kommt zahlreich!

Erklärung aller in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg vertretenen Parteien anlässlich der geplanten NPD Demonstration in Marienfelde am 13. April 2012

Marienfelde gehört allen Menschen!
Toleranz statt Rassismus und Unmenschlichkeit

Die Fraktionen von SPD, Bündnis90/Die Grünen, CDU und Piraten sowie die Mitglieder von Die Linke in der Bezirksverordnetenversammlung sprechen
sich für ein vielfältiges und tolerantes Tempelhof-Schöneberg aus. Alle Menschen sollen in unserem Bezirk unabhängig von sozialer und ethnischer
Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Lebensweise frei und unbeschwert leben können.

Am Freitag, dem 13. April 2012 um, 18:30 Uhr will die rechtsradikale NPD durch Marienfelde marschieren. Starten soll die Demonstration an der Marienfelder Allee/Nahmitzer Damm, weiter führt sie über die Hildburghauser Straße, die Waldsassener Straße, den Tirschenreuther Ring, die Ahrensdorfer Straße und
über den Luckeweg wieder zurück zum Ausgangspunkt. In räumlicher Nähe befindet sich auch die Zentrale Aufnahmestelle Berlins, die ZAB. Dort werden
politische Flüchtlinge und Verfolgte aus aller Welt aufgenommen.

Zum Hintergrund: Die NPD Neukölln plante als Gegenreaktion auf eine Solidaritätsdemonstration einen Aufmarsch in Neukölln. Dort wurde ein 22-jähriger Mann mit türkischem Migrationshintergrund ermordet, zwei Jugendliche wurden schwer verletzt. Das Motto der Neonazis „Zeit zu Handeln – Kriminelle Ausländer raus“ dient nun dazu, den Mordfall zu instrumentalisieren. Denn hier wird versucht, die rassistische Zuschreibung, alle Ausländer seien kriminell, zu treffen.

In einer weltoffenen und kosmopolitischen Stadt wie Berlin hat die rassistische Hetze der NPD keinen Platz. Menschen egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht leben in Berlin gemeinsam und akzeptieren einander. Kriminalität ist keine Frage der Herkunft, sondern ein gesellschaftliches Problem, auf das die Politik Antworten finden muss.

Wir nehmen die Position der NPD als einen gezielten Angriff auf das gleichberechtigte Miteinander in Tempelhof-Schöneberg wahr und stellen dem einen respektvollen Umgang und Toleranz entgegen.

Donnerstag, 12. April 2012

Frauenpolitischer Bericht der Aktivitäten der SPD Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg

An die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Projekte der Mädchen- und Frauenprojekte und -vereine in Tempelhof-Schöneberg:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit der Konstituierung der Bezirksverordnetenversammlung und der Wahl des Bezirksamtes ist etwas Zeit verstrichen und so möchte ich die letzten Züge des Frauenmonats März nutzen, um Ihnen einen Überblick über die frauenpolitischen Schwerpunkte der SPD Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg zu geben.

Tempelhof-Schöneberg nimmt im Vergleich der Bezirke eine besondere Rolle ein. Während andere Bezirke ausschließlich Männer zu Bürgermeistern gewählt haben, hat Tempelhof-Schöneberg mit Angelika Schöttler (SPD) eine kompetente und engagierte Frau zur Bürgermeisterin gemacht. Im Bezirksamt bilden Frauen die Mehrheit. Das Präsidium wird ausschließlich von Frauen geleitet. Diese Besonderheit gegenüber den anderen Bezirken soll sich natürlich auch in der Politik wiederfinden. Seit Januar konnten wir mehrere Anträge stellen:

- Die Beteiligung der Bürgermeisterin und der Stadträtinnen und Stadträte am Girl’s Day 2012 wurde zu unserer ersten frauenpolitischen Forderung. Mit einer Mehrheit aus SPD, Grünen, Piraten und Der Linken wurde der Antrag beschlossen.

- Auch Erinnerungskultur wird ein Standbein unserer frauenpolitischen Arbeit sein. Mädchen und junge Frauen brauchen starke Vorbilder. Das Leben und Schicksal Mathilde Hofers, einer bewundernswert starken Frau, gestorben in Ausschwitz, soll anlässlich des internationalen Gedenktages an den Holocaust in einer Ausstellung gewürdigt werden.

- Ende vergangenen Jahres führten die Vereinten Nationen den Weltmädchentag ein. Am 11. Oktober 2012 soll nun auch in Tempelhof-Schöneberg das erste Mal auf die enachteiligungen und das Ungleichgewicht von Mädchen und jungen Frauen hingewiesen werden.

- Lisa Albrecht war Turnlehrerin des Arbeiter_innensports,Frauenrechtlerin und Pazifistin. Als engagierte Sportlerin und Widerständlerin gegen das Naziregime, soll sie Vorbild für viele Sportler und Sportlerinnen im Bezirk werden. Wir beführworten daher die Benennung der Sporthalle am Baußnernweg nach Lisa Albrecht. Der Antrag befindet sich in der Ausschussberatung.

Ein frauenpolitischer Schwerpunkt soll auch weiterhin auf der Förderung von Frauen im Sport liegen. Unser politisches Anliegen haben wir mit einem Besuch des Schöneberger Fraueneishockeyteams, den OSC Eisladys, gestützt. Frauensport wird immer noch medial und finanziell vernachlässigt. Dies wollen wir ändern!

Das Gedenken an Hatun Sürücü ist uns wichtig. Viele Menschen, besonders junge Frauen und Mädchen identifizieren sich mit ihr. Sogenannte Ehrenmorde sind eine spezifische usprägung von Gewalt gegen Frauen, die wir bekämpfen müssen. Wir möchten allerdings vor den Argumenten des rechtspopulistischen Spektrums warnen. Dort werden Frauen immer dann zu Opfern gemacht, wenn die Tat einem bestimmten Kulturkreis zugeschrieben werden kann. Häusliche Gewalt findet unabhängig von Ethnie, Bildungsniveau und sozialem Status statt. Alle Formen von Gewalt sind gleich schwerwiegend.

Eingesetzt haben wir uns auch für den Erhalt der Seniorinnenfreizeitstätte Huzur. Frauen, vorwiegend mit türkischem Migrationshintergrund, treffen und organisieren sich dort. Huzur ist ein einmaliges Angebot für Seniorinnen nicht deutscher Herkunftssprache im Bezirk.

Eine weitere kleine Anfrage diente der Ermittlung des Bedarfs von (Vor)Beratung für Opfer von häuslicher Gewalt in Marienfelde/Lichtenrade. Erschreckend sind die Zahlen des Polizeiabschnitts, der einen Anstieg von Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt verzeichnet. Wir werden die Ergebnisse auswerten und politisch Handeln. Die kleine Anfrage finden Sie zeitnah hier.

Frauenpolitik bedeutet auch sich zu vernetzen – auch überparteilich. Daher haben sich Frauen der SPD und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen entschieden gemeinsam frauenpolitische Projekte zu verfolgen.

Seit Januar gestalten wir bezirkliche Frauenpolitik und konnten einiges anstoßen. Bezirkliche Frauenpolitik ist jedoch mehr als das, was wir in der Bezirksverordnetenversammlung besprechen. Sie lebt von Ihrem Engagement in den Projekten und Vereinen. Daher möchte ich Sie herzlich einladen Ihre Anliegen mit mir zu teilen.

Mit freundlichen Grüßen

Marijke Höppner