Archiv für Dezember 2011

Erster Ausschuss für queere Lebensweise in Tempelhof-Schöneberg

Am 8. Dezember konstituiert sich voraussichtlich der Ausschuss für Frauen und queere Lebensweisen in Tempelhof-Schöneberg. Die Erweiterung um den Bereich queere Lebensweisen erfolgte auf Wunsch der bezirklichen SPD Fraktion. Damit ist Tempelhof-Schöneberg der erste Berliner Bezirk der Politik für queere Menschen in einem Ausschuss institutionalisiert ansiedelt.
Queer ist ein englischsprachiger Begriff, der auch Einzug in die deutsche Sprache gefunden hat. Zunächst umschreibt queer Dinge, Handlungen und Personen, die von der Norm abweichen. Das Adjektiv wird heute vor allem dafür verwand Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, transexuell, transgender oder intersexuell (kurz: LGBTTI) sind, zusammenfassend zu benennen. Queere Theorien stellen mittlerweile einen wissenschaftlichen Forschungsbereich dar.
„Dass die Belange queerer Menschen in einem Ausschuss festgeschrieben sind, ist eine Anerkennung der gesellschaftlichen Realität“, so der Sprecher für queere Lebensweisen Hermann Zeller. „Natürlich ersetzt der Ausschuss nicht die Verantwortung der einzelnen Politikbereiche aktiv zu werden, aber es ist die Chance das Augenmerk auf die Belange von vielen Menschen zu setzen, deren Interessen vorher nicht unbedingt mitgedacht wurden.“

Anschlag auf Stolpersteininformationstafel in der Stierstraße

In der Nacht zum 23. November wurde ein Informationskasten der „Initiative Stolpersteine Stierstraße“ beschädigt und umgestoßen. Die Initiative vermutet eine politische Straftat mit antisemitischem Hintergrund.
Stolpersteintafel

Der Schaukasten enthält liebevoll zusammengestellte Dokumente und Fotos zum Leben der jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner der Stierstraße, die durch die Nazis deportiert und ermordet wurden sowie eine Dokumentation der Arbeit der örtlichen Initiative. Die Initiative Stolpersteine Stierstraße forscht seit Jahren zum Leben jüdischer Menschen, die einst in der Stierstraße lebten und macht so sichtbar, was sonst in Vergessenheit geriete. 54 in den Boden gelassene Mosaiksteine aus Messing, genannt Stolpersteine, erinnern an die vielen ermordeten Jüdinnen und Juden, die ein zu Hause in der Friedenauer Stierstraße hatten. Etwa vier Wochen vor dem Anschlag wurden 12 Stolpersteine verlegt.

Die Stolpersteine der Stierstraße waren schon in der Vergangenheit Objekt von Beschädigung. Auch in der Schöneberger Gleditschstraße kam es zu mehrfacher Sachbeschädigung an den verlegten Stolpersteinen. Diese Zerstörungen sind mehr als Sachbeschädigungen. Sie sind Ausdruck einer rechtsextremen Ideologie – einer Ideologie, die Menschenlichkeit nicht kennt und der Gewaltfreiheit und Toleranz fremd sind. Wir haben Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Opfer, die in den Stolpersteinen eine würdige Erinnerung an ihre verstorbenen Familienmitglieder sahen. Wir verstehen die Wut derer, die ihre Kraft dahinein gesteckt haben, an diese Menschen zu erinnern. An die Mitglieder der Initiative Stolpersteine Stierstraße möchten wir die Bitte tragen: Lassen Sie sich nicht entmutigen. Wir bewundern Ihr Engagement sehr!